Getestet: Thief (Xbox One)

Nicht jeder Reboot gelingt und im Moment setzt man bei Square Enix / Eidos eben genau darauf. Nach Tomb Raider darf sich auch Thief eines neuen Spieles freuen. Doch gerade für die alten Thief-Spieler erwartet einen hier, wie sollte es anders sein, eine Enttäuschung.

Die Thief Reihe gehört zu meinen absoluten Favoriten. Hierbei geht es nicht darum sich durch zu metzeln und so zum Ziel zu gelangen, sondern seit dem ersten Teil soll der Spieler sich durch die Level schleichen. Schon damals faszinierte mich die Reaktionen der KI, denn diese reagiert auf Geräusche und Sichtungen im Licht. Klar, man kann das Rad nicht neu erfinden. Dessen bin ich mir völlig bewusst, aber man muss nicht die alten Lizenzen immer wieder raus kramen, weil man selbst absolut ideenlos ist und diese dann verhunzen. So wird das neue Thief dem damaligen Erfolg leider nicht mehr gerecht.

Und man merkt es direkt: man hat sich hier stark an Dishonored orientiert, ist dabei völlig gescheitert. Und so bekommt man hier eine vorgekaute und gescriptete Kost, die mir persönlich nicht geschmeckt hat. So wird eigentlich nichts dem Zufall überlassen und die Interaktionsmöglichkeiten sind zudem noch begrenzt. Garrett kann nur an bestimmten Steellen die Wände hochklettern, er kann nur an bestimmten Stellen springen und er kann sich nicht in Büsche verstecken (da diese wie Steine wirken und man drumherum gehen muss). Stattdessen blinken einem nahezu die Möglichkeiten ins Gesicht, wo Garrett klettern darf und wo er ein Seil benutzen darf. Selbst Seilpfeile funktionieren nur an fixen Positionen. Man kann also nicht viel falsch machen. Das Spiel scheint für eine dumme Zielgruppe gemacht worden sein, denn viel traut man dem Spieler heute scheinbar nicht mehr zu. So und nun schön das Mündchen aufgemacht, dann gibt euch Papa Square Enix noch ein schönes Löffelchen Babybrei dazu.

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So fehlen in diesem Teil völlig die Physik-Höhepünkte, die man in vorigen Teilen noch gehabt hat und bei denen man bei kleinen Fehlern richtig viel Krach erzeugt hat. Aber auch das: Fehlanzeige. Damit der Spieler auch ja nichts falsch machen kann, denn wie ich auf Amazon gesehen habe geben manche Spieler dem Spiel einen Stern, weil sie mal einen Fehler gemacht haben und das Spiel dann doch noch etwas Bewegungsfreiheit geschenkt wurde. Ich hoffe Square Enix wird das hier nochmal fixen und dem Spieler die völlige Bewegungsfreiheit nehmen und Garrett auf Schienen setzen, damit man ja auch die Wege richtig findet.

Zudem lahmt die Story und irgendwie werde ich nicht warm damit. Auch die Steuerung ist ein Kritikpunkt. Man hat wie erwähnt keine freie Bewegung, wie bei den Vorgängern.  Das nimmt dem Spiel unglaublich viel Dynamik und Freiheitsgefühl. So hat man sich in den Vorgänger-Spieler noch seine Gedanken gemacht wie man eine Situation löst. Hier sieht man schon von weitem eine Leiter blinken und man weiß sofort wo man hin gehen muss.  Da hat Dishonored vieles richtig gemacht und so konnte man Situationen auf verschiedene Art und Weise lösen und hatte ein großes Areal zum austoben.

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Grafisch sieht das Spiel nett aus – keine Frage. Aber wehe dem es kommen Cutscenes. Dort fühlt man sich in die Vergangenheit katapultiert, in der das Spiel spielt. Cutscenen ala Gothic 2 – auf maximalen Details. Ebenfalls hat das Spiel mit Textur-Popups vom feinsten zu kämpfen. Der Ton ist teils asynchron und auch das macht viel kaputt. Man hört zudem ständig Menschen reden als wären sie genau neben einem selbst. Also Soundkulisse leider ebenfalls nicht gelungen. Dafür ist Garrett oft sehr leise und man hört manchmal gar nicht was er sagt. Aber der Sprecher macht seinen Job gut, genauso wie die anderen Sprecher, die eben mal auf mehrere Bewohner besetzt worden sind und sich manchmal so mit sich selbst unterhalten. Hier hat man an Sprechern gespart und dachte der Spieler merkt es nicht. Weiterhin pausiert alles im Spiel sobald man Dokumente liest. Ich erwarte das alles weiter geht, denn ich möchte den Druck verspüren etwas zu lesen, was nicht für mich bestimmt ist. Ich möchte Schritte hören, die auf mich zu kommen und veranlassen schneller zu lesen oder das weite zu suchen. Spannung, huhu, wo bist Du?

Die KI ist sehr dämlich. Licht und Dunkelheit funktionieren nicht immer. So kann man direkt im Dunkeln vor einem Gegner stehen und er sieht einen nicht, obwohl er eine Lampe hat. Aber wehe dem man huscht mal von Dunkelheit zu Dunkelheit, dann auf einmal haben sie was gehört. Ansonsten ist ein gutes Versteck bei Alarm immer oben – dort schauen die Wachen meistens nie hin. Die Minimap ist ebenfalls ein Alptraum. Leider kann man auch im Questlog keine Karte aufrufen um die Missionsziele anzuschauen.  Nebenmissionen finden gestaltet sich so schwer, denn manchmal hat man es vier bis fünf Ebenen zu tun und die Karte zeigt leider keine richtige Entfernung an, oder auf welcher Etage das Ziel ist.

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Fazit

Es ist einfach alles zu einfach. Man sammelt Dinge einfach mit X ein und überall blinken sie einem entgegen. Auch die Schloss-Knack-Szenen sind viel zu einfach. Ein Schloss zu knacken erfodert in keinster Weise Skill, es geht einfach total leicht. Das Kampfsystem ist schlecht und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit macht vieles kaputt. Man kann K.O. geschlagene Wachen nicht in einem Busch verstecken, weil dieser aus Stein ist. Man muss herum gehen. Wie albern.

Das Spiel ist vielleicht gut gemeint, aber da krame ich lieber nochmal die alten Teile aus dem Schrank und erfreue mich an echten Thief-Spielen. Oder ich spiele noch einmal Dishonored. Da habe ich keinen Garrett, aber den brauche ich dort auch nicht, da es mir mehr Möglichkeiten bietet und mehr an die alten Teile herankommt, als diesen Schund, den Square Enix uns da verkaufen will.

Ich sage es daher ganz klar: Definitiv nicht jetzt kaufen. Einfach warten bis es 20 Euro oder weniger kostet. Das Spiel ist kein Vollpreis wert.

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1 Comment

  • sehe ich absolut genauso. das gameplay ist ätzend langweilig und die movements und manches handling nervig. fernster öffnen oder immer wieder einen balken weghebeln indem man auf eine taste kloppt ist voll ätzend. nie wieder thief!

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