Test: Kinect Sports Rivals (Xbox One)

Gute Kinect-Titel sind auf der Xbox One bisher Mangelware. Und um es gleich zu sagen: das ändert sich durch Kinect Sport Rivals auch nicht. So machte die Demo noch einen spaßigen Eindruck. Da hat sich Microsoft einfach die beste Sportart rausgepickt und sie in eine Demo verpackt. Schlau, denn im Endspiel sucht man den Spaß leider auf lange Zeit vergebens.

Bevor man überhaupt spielen darf, bedarf es einer kleinen Kalibrierung, bei der Kinect einen Avatar nach dem eigenen Gesicht erstellt. Oder zumindest versucht, denn das Ergebnis geht so. Es sieht mir nicht ähnlich, aber okay. Ich habe keine digitale Kopie meiner Person erwartet. Dennoch hat das Ergebnis etwas von Kunst. Aber ich habe das Spiel ja auch nicht dafür, um einen Avatar zu erstellen, sondern Sport zu betreiben und peinliche Bewegung vor einer Kamera zu fabrizieren. 

Aus der Demo beeindruckt habe ich mich auch direkt für Wake Racing entschieden. Hier klappt die Steuerung wie in der Demo echt super.  Man stellt sich mit den Armen nach vorne, tut so als hätte man eine Lenkstange in der Hand und fährt dann mit dem Jet-Ski durch die Strecken. Hier muss man auch in den Kurven mit dem Oberkörper mitgehen und kann sogar durch das bewegen nach hinten oder vorne Tricks erzeugen. Die wenigen Kurse sind allerdings alle irgendwie gleich und die Liebe zum Detail hat man irgendwie im Meer versinkt. Alle Strecken sind auf einer Insel und so sehen diese natürlich fast alle gleich aus.

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Danach probierte ich mich im Berg steigen. Auch dieses Spiel ist wirklich nicht schlecht gemacht und auch ein Höhepunkt der Sammlung. Man muss hier wirklich die Griffe greifen und sich quasi hoch ziehen. Abwechselnd zieht man eine Hand nach oben. Und schnell läuft es flüssig und man erklimmt Berge in Rekord-Tempo. Zwischendurch kann man Feinde am Fuß greifen und herunter ziehen. Das gleiche kann einem aber auch selbst passieren. Wie ich finde ein Highlight der Sammlung.

Und danach geht es eigentlich schon bergab (welch lustiges Wortspiel). Das fängt bei Tennis an, geht über Fußball und hört beim Bowling auf. Dann doch lieber Wii Bowling. Aber fangen wir bei Tennis an, denn das ist noch schlechter als das was Nintendo damals bei der Wii mit Tennis schon geboten hat. Die Figur bewegt sich automatisch über das Spielfeld, man selbst muss nur den Arm im richtigen Moment schwingen, um den Ball zu treffen. Dabei kann man noch verschiedene Bewegungen machen, um einen Backspin, Topspin oder Lob zu erreichen. Wohin der Ball dabei fliegt – darauf hat man keinen Einfluss. Er fliegt wohin er eben fliegt. Auch mit der Haltung hat man keinen Einfluss darauf.

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Weiter geht es mit Bowling. Dort geht eigentlich nichts. Wie auf der Wii kann man hier nicht die Position bestimmen, wo man anfängt. Stattdessen versucht man den Unterkörper nicht zu bewegen, damit die Figur nicht die Richtung ändert. Auch das Zielen basiert auf Zufall. Alles andere, auch die Geschwindigkeit der Kugel, müsst ihr selbst herausfinden. Bei mir rollte die Kugel meist gerade aus, egal welche komischen Handverrenkungen ich gemacht habe.

Dann gibt es noch Fußball. Die Bewegungen sollten klar sein, denn jeder hat schon einmal Fußball gesehen. Da man aber kein ganzes Feld zuhause hat, bleiben die Figuren stehen. Nur die Schützen wandern hin und her und man muss es richtig abpassen, um den Ball von einer Person zur anderen zu schießen. Am Ende wartet der Torschütze und man kann nur hoffen, dass der Ball ins Tor wandert. Präzession ist hier aber Mangelware. Der Ball geht wohin er möchte und sobald der Gegner dran ist, kann man seinen Pässen zuschauen und dann den Ball am Tor abwehren, was bei der dummen KI ziemlich einfach war.

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Wer dann noch nicht genug hat und von all den Sportarten aus der Puste ist (Ironie) und sich am besten gar nicht bewegen will sollte Zielschießen spielen. Man wählt nur die bevorzugte Hand und schießt anschließend auf unterschiedliche Scheiben. Dazu benötigt man keinerlei Bewegung. Man richtet den Arm auf eine Platte und der Schuss passiert automatisch. Einige Scheiben geben mehr Punkte, andere weniger. Man kann die Platten der Gegner stehlen und sobald man sein Punktekonto gefüllt hat, kann man einen Laser aktivieren, der den Gegner außer Gefecht setzt. Hat mich jetzt nicht beeindruckt und wurde schnell, wie so vieles bei Kinect Sports Rivals langweilig.

Was einem bleibt sind also zwei brauchbare Sportarten und der Rest geht von „ok“ bis „grauenhaft“. Auch die kurzweiligen Nebenmissionen mit Bonuszielen wiederholen sich und langweilten mich schnell. Mit den Punkten könnt ihr neue Outfits oder Geräte kaufen, die man vorher mit Erfahrungspunkten freischalten muss. Der Store macht für mich keinen Sinn, aber er soll sicher ein Motivations-Werkzeug sein, damit Spieler überhaupt das Gefühl haben etwas zu erreichen, wenn sie nicht schon eingeschlafen sind, denn im Ganzen überzeugt das Spiel nicht und wird schnell langweilig. Absolut enttäuschend, wenn man sich das erste Kinect Sports anschaut und das, was einem heute geboten wird.

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Fazit

Microsoft tritt mit Kinect Sports Rivals auf einer Stelle, auf der sie zuvor schon gewesen sind. Das Spiel hat die gleichen Fehler wie seine Vorgänger und ist dabei nicht mal besser. Und nicht nur das: die Steuerung ist leider nicht gelungen und bei manchen Sportarten ist es echt frustrierend. Von den mitgelieferten Sportarten sind gerade mal zwei brauchbar und machen bedingt kurzen Spaß. Für einen Nachmittag oder einmal ausleihen aus der Videothek ist das Spiel ganz nett, aber mehr leider nicht.

Unverschämt: Die Download-Version kostet sage und schreibe 69,99 Euro, während die Disc-Version bei Amazon 52,94 Euro kostet. Da fragt man sich echt, welche Kräuter bei Microsoft geraucht werden.

Wer eine Xbox One hat, sollte warten. Ich kann das Spiel zur Zeit nicht empfehlen.

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