Test: The Order 1886 (PS4)

Ich war diesem Titel skeptisch gegenüber, habe lange überlegt, aber mir dann diesen umstrittenen Titel doch gekauft. Die Neugierde war zu gross und wenn das Spiel mich so überzeugt hat wie „Ryse“ hat es sich doch gelohnt. Dennoch blieb etwas Sorge die zuvor bemängelten Dinge wie Spielzeit von nur 5 Stunden würden sich bewahrheiten. Auch soll das Spiel wenig richtiges Gameplay beinhalten und überhäuft mit Quicktime-Events und Cut-Szenen sein.  Doch fangen wir mal von vorne an.

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Zu viel Quicktime-Events und Cut-Szenen

Denn was einem direkt auffällt ist die wirklich tolle Optik von „The Order 1886“. Allerdings übertünchen Blur- und Schmutz-Effekte, dass das Spiel grafisch mit Spielen wie „Ryse“ dann doch nicht mithalten kann. Ab und zu erwischt man verwaschene Texturen. Dennoch bleibt es das hübscheste aktuelle Spiel für die Playstation 4. Es spiegelt sehr gut die Zeit des Titels wieder, die keineswegs sauber und steril gewesen ist. Auch die Licht- und Schatteneffekte wissen bestens zu überzeugen. Die Charaktere sehen ebenfalls sehr realistisch aus. Auch der Übergang zwischen den Cut-Szenen und der Spielegrafik geschieht nahtlos. Manchmal fragt man sich: Ist es noch Cut-Szene oder doch schon Spiel. Dann bewegt man die Figur und merkt es ist Grafik und ist erstaunt darüber, denn das Spiel sieht aus wie eine einzige Cut-Szene.

Und da ist auch das Problem, denn so schön die Szenen auch gemacht sind, es ist zu viel. Die wirklichen Momente in denen man richtig spielen kann sind wirklich selten. Man geht etwas, Cut-Szene, man geht weiter, Cut-Szene, man geht um eine Ecke, Quick-Time-Event gefolgt von einer Cut-Szene. Dann ein kleine Shooter-Einlage, Cut-Szene, Quick-Time, Cut-Szene und so weiter. Und das erstreckt sich über die ganzen guten acht Stunden, die das Spiel einem bietet. Der Wiederspielwert liegt dabei bei Null. Es ist ein Einmal-Durchspiel-Spiel – nicht mehr und nicht weniger. Bei dem aktuellen Kurs empfehle ich das ausleihe in der Videothek. Es ist kein Titel, den man sicher ein zweites oder drittes Mal durchspielen würde. Und mehr Features oder gar einen Multiplayer bietet das Spiel einfach nicht.

Viel Potenzial verschenkt

Akustisch ist das Spiel ebenfalls gelungen. Es wurden gute Sprecher verpflichtet. Playstation-Kenner erkennen sicherlich auch den Sprecher von „Knack“ in der Hauptrolle. Allerdings klingen die Sprecher zu sehr nach Studio d.h. Unterhaltungen in einer Halle oder draussen klingen nach Studio und eben nicht als würden sich Personen draussen unterhalten.

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Die Story ist Filmreif geschrieben und auch inszeniert, allerdings in manchen Teilen nicht durchdacht und auch perfekt zu Ende gebracht worden. Hier hat man viel Potenzial verschenkt, denn auch die Atmosphäre ist in diesem Spiel stimmig. Sei es die Kulissen oder der Steampunk-Stil. Eigentlich passt alles, wäre da nicht das eingeschränkte Gameplay und die Story. Besonders die Einschränkungen haben mich genervt, denn das Spiel nimmt einen komplett an die Hand. Die Pfade und auch die Handlungen in den jeweiligen Passagen sind vorgegeben. Man darf die Waffe nicht überall ziehen, sondern nur da wo es erlaubt ist. Spielerische Freiheit gibt es in diesem Spiel einfach nicht. Das spiegelt sich auch in vielen anderen Dingen wieder wie Türen oder Objekte, die man sich anschauen kann. Alles wird einem diktiert.

Schwarze Balken und KI

Weiterhin mir nicht gefallen haben die schwarzen Balken. Mit denen wurde ich bei „The Evil Within“ schon nicht warm und hier gehen sie mir auch auf die Nerven. Sie stören vor allem in engeren Räumen. Wie auch die Blur- und Schmutzeffekte sollten die Balken nur die Berechnung der Grafik verkleinern. Es kaschiert über die dann doch nicht so tolle Grafik wie beispielsweise ein „Ryse“ sie bietet.

Die KI ist übrigens nicht in keinster Weise fordernd oder erwähnenswert. Schiessbuden-Charakter ala Moorhuhn. Sie ist stroh doof, kann weder flankieren oder sich sonst fordernd verhalten. Einfach nur Strohdoof.

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Fazit

„The Order 1886“ kann wie „Ryse“ oder „Killzone“ gut zeigen, was die Konsole technisch kann, denn optisch ist der Titel wirklich klasse. Und auch der Sound samt Atmosphäre passt durchgehend. Allerdings enttäuscht der Titel als Spiel. Ich empfand ja auch „Heavy Rain“ nie als wirkliches Spiel. Das sind eher interaktive Filme in denen man in kleinen Abschnitten ein bisschen was machen darf. Auch als Shooter würde ich das Spiel nicht bezeichnen – dafür sind die kleinen Baller-Passagen einfach zu wenig.

Und unterm Strich bietet „The Order 1886“ für ein Vollpreis-Titel einfach zu wenig von allem: Spielzeit, Spiel, Shooter, Story und Features. Hinzu kommt dass der Titel keinerlei Wiederspielwert hat.

Hier hat man viel Potenzial verschenkt und der ist seine 60 Euro auf keinen Fall wert. Lieber in der Videothek leihen oder gebraucht kaufen.

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