Beerdigung mit Kindern – Richtig oder Falsch?

In Zeiten in denen beide Elternteile von mir und damit die Großeltern der Kinder gestorben sind, fragt man sich natürlich, ob die Kinder zur Beerdigung mit kommen sollen. Ich habe vor der Beerdigung meiner Mutter wirklich lange überlegt, Erfahrungen gelesen und am Ende mich dafür entschieden. Als dann mein Vater kein Jahr später verstarb habe ich mich dagegen entschieden. Nicht weil wir ihn weniger geliebt haben, sondern weil die erste Beerdigung etwas mit meinen Kindern gemacht hat. Es ging nicht spurlos an ihnen vorbei. Daher entschieden wir uns bei der zweiten Beerdigung dagegen.

Beerdigungen konfrontieren mit dem Tod

Es gibt eine klare Regel: Kinder sollten nie vor den Eltern sterben. Und eine Beerdigung konfrontiert auch die Kleinsten mit dem Tod. Und nicht selten hörte ich nach der ersten Beerdigung Sätze wie „Papa, ich will nicht sterben.“ oder „Ich will für immer bei dir sein.“. Das sind Sätze, die mir Gänsehaut bereiten. Ich sage dann zu meinen Kindern, dass sie noch so lange Zeit haben und so viel erleben werden. Und selbst da bin ich mir nicht sicher, ob das auch so sein wird. Nicht selten lasse ich dann so einen Satz auch mal ohne Antwort im Raum stehen. Zum einen weil ich selbst eine große Angst vor dem Tod habe, zum anderen, weil ich meine Kinder nicht anlügen möchte.

Der Tod kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Für mich, für meine Kinder, für jeden von uns. Doch müssen sich Kinder im Alter von 5 und 9 Jahren schon damit beschäftigen? Müssen sie schon eine Angst entwickeln von etwas, was zwar kommt, aber dessen Angst einen darin hindert zu leben? Denn egal wie sehr wir Angst haben, der Tod wird kommen. Und die Angst hindert uns am leben. Das Leben zu geniessen. Jeden Tag. Es reicht wenn ich im Bett lege und Angstattacken habe, aber meine Kinder sollen das nicht mit bekommen oder gar selbst verspüren. Und genau deshalb haben wir uns gegen die zweite Beerdigung mit Kindern entschieden. Eine Beerdigung reicht erstmal.

Wie andere das handhaben, bleibt jedem selbst überlassen. Generell gibt es keine festgelegten Altersgrenzen, ab wann Kinder mit auf eine Beerdigung gehen dürfen oder gehen sollten. Kleinkinder können den Sinn meist nicht verstehen und selbst unser Fünfjähriger hat das noch nicht so wirklich verstanden und ist während der Rede auch eingeschlafen. Unser Kleinster mit zwei Jahren hat das ebenfalls nicht verstanden. Auch das ruhig bleiben lag ihm nicht so. Daher denke ich ist eine Beerdigung für kleine Kinder überhaupt nichts. Ein schreiendes oder unruhiges Kleinkind kann zudem auch die Trauerfeier stören. Ich würde das mit den Kleinsten sicher nicht nochmal so machen.

Kinder auf die Beerdigung vorbereiten

Wichtig ist aber die Kinder darauf vorzubereiten. Kinder sollten hier alle Fragen, mögen sie noch so unangenehm, stellen dürfen. Was passiert auf einer Beerdigung? Was passiert mit dem Verstorbenen? Gerade bei einer Urnenbestattung sollte man vor der Messe das Kind aufklären. Eine laute Frage in den Raum wie „Da ist Oma jetzt drin?“ ist störend.

Daher sollte dem Kind auch erklärt werden wie es sich zu verhalten hat und wie andere Besucher sich verhalten werden. Will das Kind nicht an der Beerdigung teilnehmen, sollte man ihn Ruhe mit dem Kind darüber sprechen. Es an der Teilnahme zu zwingen erscheint mir nicht ratsam. Wenn das Kind dann mitgehen möchte, sollte dem Kind immer ein vertrauter Mensch an der Seite sein. Manchmal kann man nämlich nicht selbst dem Kind beistehen, weil man selbst eine Aufgabe in der Zeremonie hat.

Um die Beerdigung und den Verstorbenen herum ist aber eines, und das betone ich gerne nochmal, wichtig: Reden, Reden und nochmals Reden. Die eigene Gesprächsbereitschaft mit dem Kind ist wichtig. Auch wenn die eigene Trauer noch so groß ist. Denn diese Erfahrung ist auch wichtig für sie und bringt sie mit einem Thema in Berührung, was eigentlich viel zu selten thematisiert wird: Dem Tod. Das Leben ist endlich. Wir sind nicht für Ewigkeiten auf der Welt.

Schöne Erinnerungen helfen

Ebenso wichtig ist es bei Menschen, die uns sehr nahe standen, zu erinnern. Mit dem Kind gemeinsam in Erinnerungen schwelgen und zusammen lachen ermöglicht Kindern zu verstehen, was es bedeutet auch nach dem Tod noch geliebt zu werden. Zudem sollen in dieser schnelllebigen Welt Kinder lernen auch noch an Menschen zu denken, die nicht mehr da sind.

Aber, und so habe ich mich entschieden, zu viel Konfrontation mit dem Thema sollte es dann auch nicht werden. Zwei Beerdigungen innerhalb eines Jahres – das muss nicht sein. Kinder sollen ihr Leben geniessen und sich nicht zu sehr mit dem Thema Tod beschäftigen.

Richtig oder Falsch?

Ich denke hier gibt es kein richtig oder falsch. Ich finde es eher Schade Kindern die Möglichkeit zu nehmen sich von anderen Menschen, die einem nahe standen, zu verabschieden. Letztendlich muss das aber jeder selbst wissen. Ihr kennt eure Kinder besser. Aber redet mit ihnen. Lasst sie selbst mit entscheiden. Zählt ihnen Vor- und Nachteile auf und hört euch an, was sie sagen. Danach kann man noch immer entscheiden.

In den Kommentaren würde ich mich freuen darüber zu lesen wie eure Erfahrungen waren und wie ihr euch entschieden habt.

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1 Comment

  • Hallo Jochen!
    Wir sind in einer ziemlich schwierigen Situation aktuell. Ich kann es ja mal kurz zusammenfassen. Vor zwei Tagen ist ein Achtjähriger Junge (unser Patenkind) verunglückt beim Spielen und im Krankenhaus gestorben. Wir haben zwei Kinder sechs und drei Jahre alt . Sie kennen den Jungen haben auch mit ihm gespielt er ist der Nachbar des Großvaters. Ich finde sehr schwer damit richtig umzugehen. Ich beantworte meinem Sohn sehr offen und ehrlich alle Fragen die er hat . Er hat aktuell sehr viele Fragen. Sein Weltbild wackelt . Diese kleine unberührte Welt, die er kennt ist irgendwie bedroht. Verständlich. Ich denke wir werden ihm anbieten bei einer Trauerfeier oder Beerdigung dabei zu sein. Wir werden ihn selbst entscheiden lassen ihn aber dennoch nicht zwingen. Aber es ist nach wie vor unbegreiflich. Wie soll man einem Kind erklären dass ein anderes Kind nicht mehr lebt, weil es ein schrecklicher Unfall war. Eine Tragödie . Letztes Jahr ist Oma gestorben. Sie war lange Zeit vorher auch schwer krank und es war leider abzusehen, dass sie nicht mehr lange bei uns ist. Wir konnten uns gewissermaßen von ihr verabschieden und uns darauf einstellen. Wir sind mit beiden Kindern bei der Trauerfeier gewesen, so dass sie die Möglichkeit hatten dabei zu sein und auch die Stimmung zu erfahren und sich zu verabschieden . Aber über das Thema wird wirklich viel zu wenig gesprochen die meisten wenden sich ab. Dabei ist es wichtig zu reden. Da gebe ich dir so recht… reden ,reden , reden. Liebe Grüße Anne

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