Autismusfreundliches Kino in Berlin

Das Licht geht aus, aber nicht ganz. Der Ton ist nicht zu laut (leider noch etwas zu laut). Der Film beginnt, ohne Werbung. Eigentlich sollte es jetzt leise sein, aber dem ist nicht so. Nicht ganz, denn diese Vorstellung ist besonders. Genauso wie das Publikum, dass sich in dieser befindet. Es ist die erste Autismusfreundliche Kinovorführung in Berlin. Das bedeutet, dass die Kinder den Film auf ihre Art erleben können. Ohne Einschränkungen. Ohne böse Blicke. Und das ist entspannt. Für alle. Eltern und Kinder.

Kein „Pssst“ von links, keine Blicke von rechts. Kein Versuch das Kind anzupassen, damit andere ihre Ruhe haben. Keine Rücksicht. So macht Kino mit besonderen Kindern Spaß. Toleranz soweit das Auge reicht. Von links, sowie rechts. Vorne oder hinter einem.

Autismusfreundliches Kino für besondere Kinder

So war meine Wahrnehmung des Auftaktevent für Autismusfreundliches Kino in Berlin vom Veranstalter Greta & Starks zusammen mit dem Kino in der KulturBrauerei Berlin und dem Weltkino Filmverlag. Gezeigt wurde der Film „Die Winzlinge – Abenteuer in der Karibik“. Und es sollte mehr Vorführungen dieser Art geben. Ich wünsche es mir. Weil es einfach entspannt für alle Beteiligten ist.

In einer „normalen“ Vorführung kommt es nicht selten vor, dass Eltern das Kinder der Masse anpassen müssen. Sei leise, zappel nicht herum, mach dies oder jenes nicht. Die Akzeptanz der anderen ist eben nicht so hoch. Man selbst hat noch nicht so ein dickes Fell die Blicke der anderen zu ignorieren. Und man kann sie auch verstehen. Gerade bei einem Film mit einer spannenden Geschichte möchten alle etwas mitbekommen. Schnell sind andere genervt. Es bleibt also nur einem übrig ganz hinten zu sitzen, Vorstellungen nur in der Woche Vormittags zu buchen oder es anders zu lösen. 

Doch bei dieser Vorstellung war alles anders. Hier sitzen alle im gleichen Boot. Alle kennen das. Die Toleranz ist grösser. Jeder respektiert und akzeptiert jeden. Hier stört das eigene Kind niemanden. Und die Kinder der anderen stören mich nicht.

Sei wie du bist – auch im Kino

„Ich möchte die Schuhe ausziehen“, sagt mein Sohn. „Kein Problem“, erwidere ich. Neben meinem Sohn das Mädchen möchte nun auch die Schuhe ausziehen. Darf sie. Irgendwann fängt mein Sohn an mir etwas zu erzählen. Ich höre ihm zu. Niemand stört sich. Es ist ihm in diesem Moment wichtig und ich möchte ihn nicht abweisen. Möchte ihm zuhören. In diesem Moment. In einer normalen Vorstellung würde ich ihn abweisen. Und ich merke wie es ihm gut tut. Ihn beruhigt. Er knabbert auch nicht wie sonst am Kragen. Was man in diesem Moment tun möchte, auch machen zu dürfen hilft ungemein.

Der Film endet. Entspannt verlassen wir den Kinosaal. Und mit etwas Traurigkeit, denn diese Veranstaltung war ein Test. Ein Versuch. Wie es weiter geht wissen wir nicht. Aber ich weiss eines: Ich wünsche mir mehr Kinovorführungen dieser Art. Also liebe Menschen von Greta & Stark: Bleibt an dem Thema dran und wenn es erstmal nur eine Vorführung pro Monat ist. Es würde helfen. Den Kindern und Eltern. Damit Kino ein Erlebnis bleibt. Auch für die Kinder, die nicht still sein können, weil sie besonders sind. Nicht anders. Nur Besonders.

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